Gar nicht durstig mit Hybrid
Nur noch eine Handvoll Diesel-Winzlinge sind weniger durstig als Hybrid-Autos. Allen Benzinern sparen sie jedoch was vor.
Wer wenig Sprit braucht, fährt nicht nur mit reinerem Öko-Gewissen, sondern wird spätestens beim nächsten Tankstopp belohnt. Beim Honda Insight Hybrid kriegt der Fahrer bei umweltbewusstem Fahrstil sogar Blumen als Kompliment.
Dieser elektronische Verbrauchstrainer funktioniert so: Der Druck auf die Econ-Taste neben dem Lenkrad drosselt nicht nur Leistung und Klimaautomatik – es wird auch laufend überwacht und bewertet, wie sich der Fahrer verhält. So lange man mit sensiblem Gasfuss fährt, schimmert die Hintergrundbeleuchtung des Tachos grün und im Display wachsen Blumensymbole. Bei Bleifuss und abrupten Bremsmanövern wechselt die Beleuchtung auf Blau, die Bonusblumen verdorren.
Ganz sparsam nur als «lahme Ente»
Honda verspricht beim getesteten Modell (Insight Elegance) einen Verbrauch von 4,6 Litern auf 100 Kilometer. Lässt sich dieser vortreffliche Wert auch in der Praxis erzielen? Nach der ersten gemächlichen Testfahrt zeigte das Display 4,5 Liter an – sensationell! Die Sache hat allerdings einen Haken: Wer diese Marke erreichen will, wird im Alltagsverkehr rasch zum Bremser oder zur «lahmen Ente», wie es im Fachjargon heisst. Wer jedoch im Verkehrsfluss mithalten will und überdies mit Familie sowie leichtem Gepäck unterwegs ist, muss mit knapp 5,5 Litern rechnen.
Der Insight ist Test-Sieger
In der Schweiz boomt der Insight nicht zuletzt deshalb, weil er die aktuelle Auto-Umweltliste des VCS anführt und überdies mit Preisen ab 28 800 Franken rund 10 000 Franken weniger kostet als der härteste Konkurrent bei den Autos mit der Kombination von Verbrennungsmotor und Elektroantrieb: der Toyota Prius. Deshalb nennt Honda seinen Stromer den ersten «Volkshybrid». Für das Christmas-Tree-Modell – alles drin! – muss man freilich schon knapp 35 000 Franken hinblättern.
Toyota rechtfertigt den happigen Aufpreis mit der aufwendigeren Vollhybrid-Technik und tieferem Verbrauch (3,9 Liter/100 km). Der auffälligste Unterschied zwischen den beiden Japanern ist jedoch: Toyotas Hybrid kann kurzzeitig auch rein elektrisch, also emissionsfrei, fahren, während der Insight ein sogenannter Mild-Hybrid ist: Ohne den 88 PS leistenden Benzinmotor kommt er nicht in Fahrt; nur bergab oder beim Ausrollen bleiben die Ventile geschlossen. Das 14-PS-Elektromotörchen unterstützt den Verbrenner vor allem beim Beschleunigen.
Keine Berggeiss
Die Fahrleistungen sind nicht eben berauschend: Sind alle Sitzplätze besetzt, bekundet der Antrieb Mühe, besonders in Steigungen, und der Motor protestiert lautstark. Ausserdem scheint uns, dass Honda bei Lenkung und Federung vor allem auf den US-Markt geschielt hat – Kurvenfahrten gehören folglich nicht zu den Stärken des Insight.
Und sonst? Die in der Golf-Klasse angesiedelte Schrägheck-Limousine verfügt über ein schnittiges Outfit, wobei das Heck etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ja, die Designer scheinen von allen guten Geistern verlassen gewesen zu sein, als sie die Heckscheibe zweiteilten und die Sicht nach hinten unnötig einschränkten. Eine vier- bis fünfköpfige Familie findet im Fünftürer bequem Platz. Wer jedoch mehr als einsachtzig misst, steht im Fond öfter in Kontakt mit dem Dachhimmel. Die Batterie verkleinert den Kofferraum zwar auf 408 Liter, doch bei abgeklappter Rücksitzbank steigt das Volumen auf immerhin 1017 Liter.
Fazit: Der Insight dürfte vor allem bei umweltbewussten Familien punkten. Aber Fahrspass ist etwas anderes. Seine Stärke als Spritverächter spielt der Hybrid allerdings nur im Agglo-Verkehr mit vielen Stops and Goes aus. Denn auf der Autobahn schläft der E-Motor.
wir eltern








