Gute tat auf Rädern
Der Mitsubishi i-MiEV ist ein Auto für Gutmenschen: Der Stromer stösst kein CO2 aus.
Etwas schmalbrüstig wirkt er schon, Mitsubishis kleiner Stromer, der auf den unmöglichen Namen i-MiEV hört (was so viel heisst wie: Mitsubishi innovative Electric Vehicle). Das nur gerade 3,5 Meter lange Wägelchen scheint sich ducken zu wollen hinter all den massigen SUVs, die das heutige Strassenbild prägen. Hat man aber Platz genommen, ist das Raumgefühl hervorragend. Die Sitze sind bequem und auch zum Dachhimmel besteht mindestens eine Handbreit Luft.
Also los, Zündschlüssel gedreht und… nichts, gar nichts! Absolute Stille. Kein Motor, der brummt. Keine Vibrationen. Nur ein klitzekleines «Ready» auf dem Display zeigt an, dass der i-MiEV startklar ist. Eigentlich erwartet man jetzt nicht viel angesichts eines Elektromotors, der gerade mal 67 PS leistet. Doch der kleine Stromer stürmt los wie ein Junghengst, und Tempo 50 ist im Nu erreicht. Einzig das Tempogefühl bleibt auf der Strecke, da nur ein Sirren zu hören ist; die Blitzer werden zur latenten Gefahr.
Das Problem ist die Reichweite. So mancher Diesel schafft auf Reserve locker noch 100 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp – die Batteriekapazität des i-MiEV reicht nur gerade 50 Kilometer weiter. Deshalb: Sobald das Auto steht, gehört es an die Steckdose. In acht Stunden, über Nacht, ist die Batterie geladen; mit Schnelllader an der Stromtankstelle dauerts eine halbe Stunde.
Man fühlt sich als Gutmensch, denn der Hecktriebler produziert im Fahrbetrieb null CO2. Jedenfalls findets der Nachwuchs megacool, dass das Strom-Ei Blicke auf sich zieht wie sonst nur ein Ferrari. Als an Ostern der Benzinpreis die Schockgrenze von zwei Franken pro Liter ritzte, wäre wohl mancher Automobilist vor Neid erblasst, wenn er gewusst hätte, dass der Elektromotor pro hundert Kilometer (Nacht-)Strom für gerade mal 1.80 Franken konsumiert. Allerdings hätten sich die Neidhammel wohl rasch wieder eingekriegt angesichts des Geldes, das es für den Kleinwagen hinzublättern gilt – 46 000 Franken. Da sieht manche Familie rot statt grün.
Fazit: 100 Jahre lang herrschte Stromunterbruch,
denn das Elektroauto war schon einmal da. Doch ausgerechnet ein Elektromotor sorgte 1915 für das abrupte Ende der Stromer: Der GM-Ingenieur Charles Kettering erfand den Elektroanlasser. Damit entfiel das lästige Ankurbeln des Benziners. Da überdies das Öl extrem billig war, war das E-Auto nur mehr eine Fussnote der Geschichte. Obs im zweiten Anlauf nachhaltiger ist, steht auf des Messers Schneide. Denn der Preis ist (noch) nicht heiss.
Beat W. Hollenstein








