Kartoffel im Tank
Der neue Ford C-Max flexifuel fährt statt mit Benzin oder Diesel mit Ethanol. Das beschert dem Fahrer ein – fast – reines Umweltgewissen.
Was haben wir am Strassenrand schon die Nase gerümpft, weil wir in einer Abgaswolke standen! Auch in unserem Testwagen arbeitet ein Verbrennungsmotor, der Schadstoffe freisetzt. Doch der Ford C-Max flexifuel hinterlässt, was sonst im Strassenverkehr verpönt ist, eine Schnapsfahne. Ein vergleichsweise liebliches Gerüchlein. Im Tank ist Alkohol, genauer: Bio-Ethanol. Doch falls mal keine Zapfsäule mit dem alternativen Treibstoff in Reichweite liegt, zeigt der C-Max sich flexibel und schluckt auch Superbenzin. Daher der Namenszusatz: flexifuel.
Ansonsten ist der C-Max ein typischer Vertreter der Kompaktvans: Die sehen von vorn mit der steil abfallenden Motorhaube und der extrem schräg gestellten Windschutzscheibe gut aus. Doch von hinten wirken sie alle etwas pummelig, ja bieder.
Dazwischen bietet der C-Max auf 4,4 Meter Länge indes alles, was die vier- bis fünfköpfige Familie begehrt: viereinhalb bequeme, leicht erhöhte Einzelsitze, viel Kopffreiheit und einen äusserst variablen Innenraum. Selbst bei Vollbelegung bleibt genügend Platz für das nötigste Feriengepäck. Als Zugabe kann man sich über die ausgezeichneten Fahrleistungen und ein elegantes Interieur freuen.
Der «Flexifuel» jagt zwar – bei leicht erhöhtem Verbrauch – ebenso viel CO2 durchs Auspuffrohr wie der gleich starke Benziner, trotzdem fühlt man sich hinterm Steuerrad irgendwie als besserer Mensch. Ganz einfach deshalb, weil Bio-Ethanol zumindest theoretisch CO2 -neutral ist. Es wird durch eine alkoholische Vergärung aus pflanzlichen Rohstoffen wie Zuckerrüben, Kartoffeln, Getreide- oder Holzabfällen gewonnen. Bei der Verbrennung im Motor wird nur so viel CO2 frei, wie zuvor von der verwendeten Pflanzen der Atmosphäre zum Wachsen entnommen wurde. Allerdings: Wegen der energieintensiven Landwirtschaft und Herstellung des alkoholischen Treibstoffs fällt die Bilanz in der Praxis schlechter aus. Überdies wird die Nahrungsmittelproduktion konkurrenziert, wenn Ethanol aus essbaren Pflanzen statt aus Abfallbiomasse gewonnen wird.
Anderswo wird angesichts des Klimawandels und der stetig steigenden Preise für Benzin und Diesel voll auf die Allesbrenner gesetzt: In Brasilien fahren 70 Prozent der Neuwagen mit beliebigen Mischungen aus Benzin und Ethanol (bei E85 sind es 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin), auf Schwedens Strassen verkehren bereits 23 000 E85-Autos. Hierzulande kann von Boom keine Rede sein, was am dünnen Tankstellennetz, dem Mehrverbrauch und der zu geringen Preisdifferenz zwischen E85 (ca. Fr. 1.48/Liter) und Bleifrei 95 liegen könnte.
Die Hersteller arbeiten denn auch an weiteren alternativen Antrieben:
Erd-/Biogas: Belastet das Klima in der Gesamtbilanz am wenigsten. Überdies sind die Treibstoffkosten rund 30 Prozent tiefer als beim Benzin. Dem stehen eine kürzere Reichweite pro Tankfüllung und ein weniger dichtes Tankstellennetz als Nachteile gegenüber. Das Biogas wird aus Klärschlamm oder Grünabfällen gewonnen.
Hybrid: Aufwendige und teure, aber momentan favorisierte Technologie. Elektro- und Benzinmotor sorgen zusammen für den Antrieb. Dabei wird auch die Batterie vom Verbrennungsmotor aufgeladen. Die sogenannten Plug-in-Hybride können an der Steckdose tanken.
Wasserstoff: Zwar entsteht bei der Verbrennung des flüchtigen Gases nur Wasser. Weil Wasserstoff aus Erdgas oder Benzin hergestellt wird, kann von CO2 -freier Technologie nicht gesprochen werden.
Trotz teils respektabler Absatzzahlen handelt es sich hierbei noch um Nischenprodukte. Deshalb ist es momentan effizienter, die herkömmlichen Benzin- und Dieselmotoren zu optimieren. Dass hier noch ein beträchtliches Sparpotenzial liegt, zeigen zum Beispiel VW (mit Bluemotion), BMW (Efficient Dynamics) oder Mercedes (Bluetec). Der durchschnittliche Konsum eines Neuwagens liegt in der Schweiz bei 7,5 Liter je 100 Kilometer. Dabei schaffen es schon heute nicht nur familienuntaugliche Kleinwagen wie der Smart unter die 5-Liter-Marke, sondern auch etliche Mittelklassemodelle.
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