Ab wann auf die Ski?
Was ein rechter Pistenflitzer werden will, muss früh auf
die Skier, meinen viele Eltern. Falsch. Viel wichtiger ist, dass die Kinder im Schnee Spass haben.
Reto ist erschüttert. Stolz hat er seinem Sohn das erste Paar – kostspieliger! – Skier montiert, der Kleine soll der Welt schon früh als begnadeter Skifahrer begegnen. Voller Vorfreude hat Papa den heutigen Tag erwartet, und nun das: Jerôme (3) will die unbequemen Latten partout nicht tragen.
Ideal im Kindergarten-Alter
Von solchen Enttäuschungen könnte Patricia Caspar zuhauf berichten. Seit 12 Jahren begleitet die Kinderskilehrerin aus Savognin die Kleinsten unter den Skihasen bei den ersten Fahrversuchen. Die Geduld, die sie aufbringt, fehlt den Eltern oft. Ab und zu möchten Eltern ihr am liebsten schon 21⁄2-Jährige schicken, erzählt Patricia Caspar. «Ein so kleines Kind will aber nur in Ausnahmefällen etwas wissen von Skiern.» Der richtige Zeitpunkt für den Start zum alpinen Skilauf liege irgendwo zwischen 4 und 5 Jahren, sei individuell aber sehr unterschiedlich, schreibt Johannes Roschinsky in seinem Buch «Skifahren mit Kindern». Natürlich können schon 2-Jährige in der flachen Ebene aufsogenannten «Rutschern» ihre ersten Spuren ziehen. Aber auch aus Kindern, die erst mit 8 oder 10 Jahren auf die Bretter steigen, würden später gute Skifahrer, erklärt der Sportwissenschaftler. Während die einen Knirpse also begeistert auf den Latten herumrutschen, fühlen sich andere schlicht unwohl. Für die Skilehrerin Patricia Caspar ist die wichtigste Voraussetzung die Freude: «Wenn ein Kind hinfällt und selber wieder aufzustehen versucht, wenn es begeistert neue Bewegungsabläufe ausprobiert, dann hat es die mentale Reife für die Piste.» Die Erfahrung zeige, dass Kinder, denen man Zeit gelassen habe, sich ein paar Jahre später behänder auf den Skiern bewegen. «Der Fahrstil der unfreiwillig Frühgeförderten erinnert später manchmal an ein Haus ohne Fundament», witzelt die Skilehrerin.
Skischule lohnt sich
Wo aber lernen die Kleinen das Skifahren am besten? In der Skischule? Im Privatunterricht? Oder mit Papa himself? Patricia Caspar plädiert mit guten Gründen für die Skischule. Hier treffen die Bretterfrischlinge auf andere Kinder, es steht viel buntes Material zur Verfügung,der Ehrgeiz wird angestachelt. Zudem machen die Partnerspiele Spass und lenken ab von allfälligem Heimweh. Nur wenn es bei einer bestimmten Technik lange harze, lohne es sich, dem Kind eine Privatlektion zu ermöglichen. Wichtig sei auch, gewisse Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Kinder hassen es,wenn sie frieren – die richtige Kleidung spielt deshalb eine grosse Rolle.
Nicht zu hoch hinauf
Vorsicht geboten ist bei der Auswahl des Ferienortes, respektive dessen Höhenlage. Eine Faustregel besagt, dass der Urlaubsort nicht mehr als 1500 Meter über dem Wohn- ort liegen sollte. Die klimatischen Bedingungen sind anders und kleine Körper haben Mühe,sich daraufeinzustellen. Manche reagieren mit Weinen, Atembeschwerden und Schlafschwierigkeiten. Zusätzlich vom Urlaubsort mit der Gondel in schwindelerregendem Tempo auf über 3000 Meter gehievt zu werden, macht selbst Erwachsenen zu schaffen. Hängen die Kleinen nach der Fahrt schlaff an den Händen der Eltern, wirken benommen und klagen gar über Kopfschmerzen oder Übelkeit, sollte man sie so schnell als möglich wieder ins Tal zurückbefördern. Meist klingen die Symptome einer beginnenden Höhenkrankheit bald wieder ab.
Übrigens: Ein Jahr später steht Jerôme mit der typisch kindlichen Rücklage auf den Skiern und bewältigt enthusiastisch die ersten Hügel. Sieben Jahre später sieht Papa Reto seinen Sohn nur noch von hinten.
Manuela von Ah








