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Schwangerschaft

Traurig trotz Schwangerschaft

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Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft unter Angst und Depressionen. Doch kaum jemand getraut sich, darüber zu sprechen.

Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit gehören zum Alltag der meisten werdenden Mütter und sind Teil der hormonellen Umstellung. Kommt die Frau am Morgen jedoch nicht mehr aus dem Bett, schwinden Interesse, Freude, Vertrauen und Selbstwertgefühl, nehmen Selbstzweifel, Schuldgefühle, Antriebslosigkeit und Unentschlossenheit zu, leidet sie womöglich an einer ernsthaften depressiven Erkrankung. Weitere Hinweise können Konzentrations-, Schlaf- und Appetitstörungen sein, innere Unruhe oder Herzklopfen.

Hilfe suchen nach 14 Tagen

Etwa 7 bis 13 Prozent der werdenden Mütter sind von einem lang anhaltenden Stimmungstief betroffen. Neben den üblichen Ursachen einer psychischen Störung gibt es für pränatale Depressionen und Ängste zusätzliche Gründe: Manche Frauen haben Mühe mit der Rollenfindung als Mutter, andere mit der Anforderung der Gesellschaft, Muttersein und Beruf unter einen Hut zu bringen. Auch der Kontrollverlust ist ein Thema.

Wer länger als 14 Tage leidet, sollte die Ursache der Depression abklären lassen. Möglicherweise ist eine Schilddrüsenfunktionsstörung der Auslöser. Eine frühzeitige Behandlung ist umso wichtiger, da Depressionen einen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft haben können. Risiken sind eine Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und Komplikationen bei der Geburt. Auch das Risiko einer postnatalen Depression ist erhöht. Zudem leiden Kinder von Müttern mit pränatalen Angststörungen oft zappelig auf Stress oder Anspannung und weisen ein grösseres Risiko auf für psychische Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS und Stressempfindlichkeit.

Das hilft bei Angst und Depressionen

  • Überlegen Sie, wo Ihre Ressourcen sind: Was hilft Ihnen? Wer oder was tut Ihnen gut? Wie können Sie entspannen? Suchen Sie Unterstützung, lassen Sie sich helfen.
  • Besprechen Sie Themen, die Ihnen Angst machen, mit Ihrer Ärztin oder besuchen Sie eine Hebammensprechstunde; Hebammen haben oft mehr Zeit für Gespräche.
  • Besuchen Sie einen Geburtsvorbereitungs- oder Schwangerschaftsyoga-Kurs.
  • Studien haben bewiesen, dass körperliches Training gegen Depressionen hilft. Geeignet in der Schwangerschaft sind Spazieren, Walking, Joggen, Rad fahren, Schwimmen, Yoga, Tanzen.
  • Singen ist Medizin. Summen, schmettern oder trällern Sie sich Ihre Gefühle aus dem Leib. Positiver Nebeneffekt: Singen fördert die Gehirnentwicklung des Ungeborenen.
  • Viele Frauen berichten, dass es ihnen geholfen hat, ihre Gedanken, Gefühle und Ängste aufzuschreiben.
  • Eine unbehandelte Depression kann schwerwiegende Folgen für Ihr Kind haben. Vertrauen Sie sich deshalb sobald wie möglich einer Fachperson an. Diese klärt ab, um welche Art von Störung es sich handelt, sucht die Ursachen und leitet eine entsprechende Behandlung ein. Neben Psychotherapie und Medikamenten gibt es viele weitere therapeutische Verfahren.
  • Stellen Sie einen Plan B auf: Was können Sie tun, falls Angst und Verstimmung schlimmer werden oder nach der Geburt die postnatale Depression kommt? Plan B vermittelt Sicherheit.
  • Organisieren Sie bereits vor der Geburt einen Mutter-Kind-Kurs wie Babymassage, Pekip.

Weitergehende Informationen:

Haben Sie Fragen oder Unsicherheiten, die Ängste oder Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft betreffen? Sind Sie interessiert an Informationen über laufende Projekte, die den Einfluss von Stress in der Schwangerschaft untersuchen? Melden Sie sich bei: PD Dr. phil. Judith Alder, Leitende Psychologin, Frauenklinik Universitätsspital Basel, Tel. 061 265 94 06, E-Mail: jalder@uhbs.ch

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