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Die gute und die schlechte Nachricht

Streiten für die Katz?

Erziehung bringt praktisch nichts, lassen mehrere Studien vermuten. Was ist daran erfreulich?

Lieber zuerst die gute Nachricht? Nein, besser zuerst die schlechte, dann sind wir gewappnet, können aber noch auf etwas hoffen. Achtung, hier kommt sie: Wir Eltern haben einen geringeren Einfluss darauf, wie sich unsere Kinder entwickeln, als wir denken. Und das habe ich hier gelesen. Die Kernaussage des Artikels, der sich auf mehrere Studien und Bücher stützt: Was für ein Mensch aus einem Kind wird, hat wahrscheinlich sehr wenig mit Erziehung zu tun. Nur weil wir unseren Söhnen und Töchtern beibringen, artig danke und bitte zu sagen oder gerade am Tisch zu sitzen, werden noch lange keine Akademiker oder perfekte Schwiegersöhne- und töchter aus ihnen. Was wir als Eltern beeinflussen können, lasse sich vielmehr unter dem Begriff Kinderstube fassen.

Fuck, nicht wahr? Das bringt also alles gar nicht so viel. All diese anstrengenden Diskussionen und Verhandlungen, die kräftezehrenden Durchsetzungs-Aktionen, Minuten und Stunden des Leviten-Lesens – alles praktisch für die Katz? Ich denke, geahnt haben wir das alle und wahrscheinlich auch schon beobachtet oder selbst erlebt, dass die Gleichung gute Erziehung = guter Mensch nicht zwingend aufgehen muss. Aber irgendwie sind wir doch alle überzeugt, dass es bei uns und unseren Kindern funktionieren wird.

Also, wenn nicht wir, wer ist dann verantwortlich für die Entwicklung unserer Kinder? Die Antwort ist wenig erstaunlich: die Gene, der Charakter, die Peer Group. Kurz: das psychologische Dispositiv des Kindes. Es lässt den Heranwachsenden schliesslich auch seinen Freundeskreis wählen. Unser Einfluss, so das Fazit des Artikels, ist wahrscheinlich bei der Geburt am grössten.

So, spätestens jetzt können wir die gute Nachricht gebrauchen, oder? Hier ist sie: Man kann das auch positiv sehen. Wenn unser Einfluss nicht so gross ist, bedeutet das nämlich auch, dass wir gar nicht so viel falsch machen können, wie wir immer denken. Wir können die Sache ziemlich relaxed angehen. Denn sofern ein Kind Geborgenheit und das emotionale Existenzminimum bekommt, ist alles andere Beigemüse. Das zeigen Vergleiche unterschiedlichster Erziehungsstile auf der ganzen Welt. Zum Beispiel vermied eine westafrikanische Mutter, wie in ihrem Stamm üblich, den Blickkontakt mit ihrem Baby, andere Frauen zogen ihn auf, erst mit 15 Jahren sah er seine Mutter wieder. Später promovierte er in den USA. Kanns geben, klar. Die Forscher sehen es als Beweis dafür, dass der für uns gewöhnungsbedürftige Erziehungsstil diesen Werdegang nicht verhindert hat.

Das nimmt doch etwas Druck, stimmts? Die ein-, zweimal, die Junior nicht Zähne geputzt hat, sind vielleicht gar nicht so schlimm. Oder die ein-, zweimal, die ich am Tisch gerülpst habe. Nein, ich höre deswegen nicht auf einmal mit dem Erziehen auf. Aber ich glaube, ich werde versuchen, die Chose etwas gelassener zu sehen.


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