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Tipps für mehr Sicherheit

Der richtige Kindersitz

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Wer Kind und Auto hat, kommt um einen Kindersitz nicht rum. Toni Keller vom TCS sagt, auf was man achten muss beim Kauf.

Wir Eltern: Sind die teuersten Produkte auch die besten?

Toni Keller: Das kann man so nicht sagen, unsere Tests zeigen teilweise das Gegenteil.

Gibt es Sitze, die alle Altersgruppen zwischen 0 und 12 Jahren abdecken?

Mir ist nur ein einziges solches Produkt bekannt. Unsere Erfahrung zeigt, dass mitwachsende Kindersitze schlechter abschneiden, und zwar deshalb, weil sowohl bei der Crashsicherheit als auch bei der Bedienung Kompromisse eingegangen werden müssen. Zudem sind sie meist schwer und sperrig. Mit drei Sitzen, dem Alter, Grösse und Gewicht entsprechend, ist dies nicht nötig. Die Kosten liegen auch in diesem Fall noch unter 30 Rappen pro Tag.

Die Gurtschlösser sind, wie ein tragischer Unfall zeigte, offenbar auch für Knirpse leicht zu öffnen. Warum?

Die über Europa hinaus gültige ECE-Prüfnorm schreibt ein einfaches, mit einer Handbewegung zu öffnendes Gurtschloss vor. Der Grund: In Notfällen müssen die Insassen rasch geborgen werden können.

Seit 1. April 2010 müssen in der Schweiz Kinder bis 12 Jahre und unter 1,50 Meter Grösse mit einem Kindersitz gesichert sein (Siehe zweiter Kasten unten) – bisher galt ab 7 Jahren bloss die allgemeine Gurttragpflicht. Weshalb die strengere Vorschrift?

Die neue Verordnung entspricht nun derjenigen in anderen europäischen Ländern. Der TCS testet seit über 40 Jahren Kindersitze – und seit Jahrzehnten empfiehlt er die Verwendung von Kindersitzen bis 12 Jahre und 150 Zentimeter. Aus anatomischen Gründen kann der übliche 3-Punkt-Gurt noch gar nicht über das Becken des Kindes verlaufen. Während eines Unfalls rutscht der untere Gurtteil in den Bauchbereich hoch und kann schwere innere Verletzungen verursachen.


Zur Person:

Toni Keller ist Projektleiter Kindersicherheit beim TCS.


Toni Kellers Tipps für Kindersitze

  • Einbau des Kindersitzes durch das Fachpersonal zeigen lassen; auf Bedienungsfreundlichkeit achten
  • Babyschale vor dem Kauf im Auto ausprobieren. Ist der Fahrzeuggurt genügend lang?
  • Erst dann in den nächstgrösseren Kindersitz wechseln, wenn der Kopf des Kindes über die Babyschale beziehungsweise den Kindersitz hinausragt. Die Füsschen dürfen ruhig an die Vordersitzlehne stossen
  • Wenn möglich Kindersitze auf dem Rücksitz einbauen
  • Kindersitz mit dem Fahrzeugsitz fest verbinden; er darf weder wackeln noch kippen
  • Falls Kopfstütze den Sitzeinbau behindert, diese herausziehen und, wenn möglich, umgekehrt wieder montieren
  • Ein leicht entfernbarer Überzug erleichtert das Reinigen
  • Sind im Auto Isofix-Verankerungen vorhanden, kann auch ein Isofix-Kindersitz verwendet werden (Fahrzeugtypenliste beachten). Dann ist die Bedienung einfacher
  • Kindersitze kosten zwischen 100 und knapp 900 Franken, wobei die Sitze für die Kleinsten in der Regel am teuersten sind
  • Der TCS-Test hat gezeigt, dass die Gleichung «teuer = gut» und «billig = schlecht» nicht immer stimmt

Hier geht's zum Test: www.infotechtcs.ch


Vorsicht bei älteren Modellen

Ab 1. April dürfen nur noch Kindersitze mit der Prüfnummer beginnend mit 03 oder 04 (orange Etikette) verwendet werden. Ältere Produkte wurden vor 1995 produziert und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Sind Eltern unsicher, ob ein Occasionssitz noch was taugt, können sie den Kindersitz in Baby-Rose-Geschäften nach einer TCS-Checkliste überprüfen lassen; dies kostet 20 Franken (für TCS-Mitglieder gratis).

Was es zu beachten gibt:

  1. Zubehör anhand der Montageanleitung überprüfen
  2. Gurt, Gurtbänder und -führungen auf schadhafte Teile überprüfen
  3. Gurtklemmer, -schlösser, -verstellbarkeit und Arretiervorrichtung für Liegeposition auf Funktion überprüfen
  4. Kindersitz auf Bruchstellen und Verbiegungen untersuchen
  5. Nach einem Unfall darf der Kindersitz nicht mehr gebraucht werden

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